Wie lange leben Menschen in Deutschland heute und woran sterben sie am häufigsten? Die Antworten auf diese Fragen verändern sich mit dem medizinischen Fortschritt, dem demografischen Wandel und den Lebensbedingungen. Die aktuellen Daten aus dem Jahr 2026 zeigen dabei zwei Entwicklungen gleichzeitig: Die Lebenserwartung liegt langfristig deutlich höher als noch vor einigen Jahrzehnten, während sich das Spektrum der häufigsten Todesursachen zunehmend auf Erkrankungen des höheren Lebensalters konzentriert.
Für die Betrachtung der aktuellen Situation ist allerdings wichtig, zwischen endgültigen Todesursachenstatistiken und vorläufigen Sterbefallzahlen zu unterscheiden. Die aktuellsten endgültigen Todesursachendaten für Deutschland liegen für das Jahr 2024 vor. Für 2026 stellt das Statistische Bundesamt bereits vorläufige Sterbefallzahlen bis zum 6. September 2026 bereit.
Lebenserwartung in Deutschland 2026
Nach der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 des Statistischen Bundesamtes beträgt die durchschnittliche Lebenserwartung bei Geburt in Deutschland 78,8 Jahre für Männer und 83,4 Jahre für Frauen.
Damit liegt die Lebenserwartung heute mehr als doppelt so hoch wie bei den ersten allgemeinen Sterbetafeln für das damalige Deutsche Reich Ende des 19. Jahrhunderts. Damals betrug sie 35,6 Jahre für Männer und 38,5 Jahre für Frauen.
Der enorme langfristige Anstieg ist unter anderem auf eine niedrigere Säuglingssterblichkeit, Fortschritte in Medizin und Hygiene, eine bessere Ernährung und Wohnsituation sowie verbesserte Arbeitsbedingungen zurückzuführen.
Lebenserwartung steigt weiter, aber langsamer
Der langfristige Aufwärtstrend setzt sich fort, allerdings nicht mehr mit der Geschwindigkeit früherer Jahrzehnte. Laut Statistischem Bundesamt stieg die Lebenserwartung bis etwa zum Ende der 2000er-Jahre relativ kontinuierlich. Danach verlangsamte sich der Anstieg.
Starke Grippewellen und insbesondere die COVID-19-Pandemie führten zeitweise zu Rückgängen. Inzwischen hat sich die Entwicklung wieder erholt. Im Zeitraum 2023/2025 lag die Lebenserwartung bei Geburt bereits wieder etwas über dem Niveau des Zeitraums 2017/2019 vor der Pandemie.
Auch mit 65 Jahren bestehen noch viele Lebensjahre
Die Lebenserwartung bei Geburt ist nicht die einzige relevante Kennzahl. Interessant ist auch die sogenannte fernere Lebenserwartung.
Ein 65-jähriger Mann konnte nach der aktuellen Sterbetafel 2023/2025 durchschnittlich noch mit 18,0 weiteren Lebensjahren rechnen. Für eine 65-jährige Frau waren es 21,1 Jahre.
Damit können Menschen, die das Rentenalter erreichen, statistisch noch mehrere Jahrzehnte Lebenszeit vor sich haben. Die Werte sind allerdings Durchschnittswerte und erlauben keine individuelle Vorhersage über die tatsächliche Lebensdauer.
Die häufigsten Todesursachen in Deutschland
Im Jahr 2024 starben in Deutschland insgesamt 1.007.758 Menschen. Die häufigste Todesursachengruppe waren Krankheiten des Kreislaufsystems mit 339.212 Todesfällen.
An zweiter Stelle standen bösartige Neubildungen, also Krebserkrankungen, mit 230.392 Todesfällen. Zusammen waren diese beiden Gruppen für 56,5 Prozent aller Sterbefälle verantwortlich.
Todesursachen in Zahlen
| Todesursachengruppe | Todesfälle 2024 |
|---|---|
| Krankheiten des Kreislaufsystems | 339.212 |
| Bösartige Neubildungen | 230.392 |
| Krankheiten des Atmungssystems | 75.117 |
| Psychische und Verhaltensstörungen | 72.181 |
| Krankheiten des Verdauungssystems | 45.362 |
| Krankheiten des Nervensystems | 39.405 |
| Endokrine, Ernährungs- und Stoffwechselkrankheiten | 39.300 |
| Verletzungen und Vergiftungen | 48.908 |
Die Werte beziehen sich auf die ICD-10-Klassifikation und umfassen jeweils größere Krankheitsgruppen. Einzelne Erkrankungen können deshalb nicht einfach anhand dieser Gruppen miteinander verglichen werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen bleiben Nummer eins
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weiterhin die häufigste Todesursachengruppe. 2024 starben 339.212 Menschen daran.
Innerhalb dieser Gruppe waren die chronische ischämische Herzkrankheit mit 70.720 Todesfällen, der akute Herzinfarkt mit 41.258 und die Herzinsuffizienz mit 37.633 Fällen besonders häufig.
Langfristig ist die Entwicklung allerdings positiver, als die absoluten Zahlen zunächst vermuten lassen. Das Robert Koch-Institut weist darauf hin, dass die Sterblichkeit durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen sinkt. Gleichzeitig altert die Bevölkerung, wodurch die absolute Zahl der Erkrankungen und Todesfälle weiterhin hoch bleiben kann.
Krebs bleibt zweithäufigste Todesursache
2024 starben in Deutschland rund 230.400 Menschen an Krebs. Damit blieb Krebs die zweithäufigste Todesursache.
Interessant ist der Vergleich mit 2004: Damals starben etwa 209.300 Menschen an Krebs. Die absolute Zahl stieg damit innerhalb von 20 Jahren um 10,1 Prozent.
Die altersstandardisierte Sterblichkeit entwickelte sich jedoch in die andere Richtung. 2024 kamen 273,5 Krebstodesfälle auf 100.000 Einwohnerinnen und Einwohner, 2004 waren es noch 322,4. Der Unterschied zeigt, wie stark die Alterung der Bevölkerung die absoluten Todesfallzahlen beeinflusst.
Lungenkrebs ist weiterhin besonders relevant
Innerhalb der Krebserkrankungen war Lungen- und Bronchialkrebs 2024 die häufigste krebsbedingte Todesursache. Rund 45.100 Menschen starben daran.
Weitere häufige krebsbedingte Todesursachen waren Darmkrebs mit rund 23.600 Todesfällen, Bauchspeicheldrüsenkrebs mit etwa 19.500, Brustkrebs mit rund 18.700 und Prostatakrebs mit etwa 15.500 Todesfällen.
Die Entwicklung einzelner Krebsarten ist dabei sehr unterschiedlich. Fortschritte bei Früherkennung, Diagnostik und Therapie haben bei vielen Erkrankungen zu sinkenden Sterblichkeitsraten beigetragen.
Demenz gewinnt als Todesursache an Bedeutung
Eine der auffälligsten Entwicklungen der aktuellen Todesursachenstatistik betrifft Demenzerkrankungen.
2024 wurden 61.927 Todesfälle durch eine Demenzerkrankung registriert. Das waren 4,4 Prozent mehr als im Vorjahr und 23,2 Prozent mehr als im Durchschnitt der Jahre 2015 bis 2024.
Der überwiegende Teil der Menschen, die 2024 an einer Demenzerkrankung starben, war mindestens 80 Jahre alt. Rund 89,1 Prozent der entsprechenden Todesfälle entfielen auf diese Altersgruppe.
Der Anstieg ist vor dem Hintergrund der alternden Bevölkerung zu betrachten. Je mehr Menschen ein hohes Lebensalter erreichen, desto größer wird auch die Zahl der Erkrankungen, die insbesondere im höheren Alter auftreten.
Männer und Frauen unterscheiden sich bei den Todesursachen
Die häufigsten Todesursachen unterscheiden sich teilweise deutlich zwischen den Geschlechtern.
Bei Männern gehörten 2024 die chronische ischämische Herzkrankheit, Lungen- und Bronchialkrebs sowie der akute Herzinfarkt zu den häufigsten einzelnen Todesursachen.
Bei Frauen stand dagegen die nicht näher bezeichnete Demenz an erster Stelle der einzelnen Todesursachen. Danach folgten die chronische ischämische Herzkrankheit und Herzinsuffizienz.
Solche Unterschiede hängen unter anderem mit der unterschiedlichen Altersstruktur, Erkrankungshäufigkeit und Lebenserwartung von Männern und Frauen zusammen.
Warum absolute Todeszahlen manchmal täuschen
Ein häufiger Fehler bei der Interpretation von Gesundheitsstatistiken ist der direkte Vergleich absoluter Todeszahlen.
Wenn beispielsweise eine Erkrankung im Jahr 2024 mehr Todesfälle verursacht als 2004, bedeutet das nicht automatisch, dass das individuelle Risiko gestiegen ist. Wenn die Bevölkerung gleichzeitig älter geworden ist, können mehr Menschen an altersabhängigen Erkrankungen sterben, obwohl das altersbereinigte Risiko sinkt.
Deshalb verwendet die Statistik häufig altersstandardisierte Sterberaten. Sie ermöglichen einen besseren Vergleich zwischen Zeiträumen mit unterschiedlicher Altersstruktur. Gerade bei langfristigen Trends sind sie deshalb besonders aussagekräftig.
Lebenserwartung und Todesursachen hängen zusammen
Der medizinische Fortschritt verändert nicht nur die Lebenserwartung, sondern auch die Zusammensetzung der Todesursachen.
Wenn Menschen seltener an Infektionskrankheiten oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen sterben und gleichzeitig ein höheres Lebensalter erreichen, treten Erkrankungen des höheren Alters stärker in den Vordergrund.
Das RKI beschreibt diesen Wandel des Krankheitsspektrums ausdrücklich als Folge der alternden Bevölkerung. Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs gehören weiterhin zu den häufigsten Todesursachen, gleichzeitig sinkt die Sterblichkeit dieser beiden Krankheitsgruppen.
Deutschland im internationalen Vergleich
Auch weltweit ist die Lebenserwartung langfristig gestiegen. Nach den aktuellen WHO-Schätzungen erhöhte sich die globale Lebenserwartung zwischen 2000 und 2019 von 66,8 auf 73,1 Jahre.
Die COVID-19-Pandemie führte allerdings zu einem deutlichen Rückschlag. Nach Angaben der WHO sank die globale Lebenserwartung 2020 auf 72,5 Jahre und 2021 weiter auf 71,4 Jahre. Damit gingen innerhalb kurzer Zeit etwa zehn Jahre des zuvor erzielten Fortschritts bei der Lebenserwartung verloren.
Die aktuell verfügbaren WHO Global Health Estimates reichen derzeit bis 2021. Das bedeutet, dass internationale Vergleiche für 2026 teilweise auf älteren, modellierten Daten beruhen.
Wird die Lebenserwartung künftig weiter steigen?
Die langfristige Entwicklung spricht grundsätzlich für eine weitere Zunahme der Lebenserwartung. Gleichzeitig gibt es Faktoren, die diesen Trend verlangsamen könnten.
Dazu gehören unter anderem chronische Erkrankungen, Übergewicht, Infektionskrankheiten, neue Pandemien und die Belastung des Gesundheitssystems. Auch die weiterhin bestehende Krankheitslast durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen spielt eine Rolle.
Das Statistische Bundesamt weist zudem darauf hin, dass neue Technologien wie künstliche Intelligenz, frühere Diagnosen, individualisierte Medizin und Fortschritte bei Medikamenten- und Alternsforschung künftig einen positiven Einfluss haben könnten. Gleichzeitig bestehen bei neuen Technologien auch Risiken, beispielsweise durch algorithmische Verzerrungen oder einen ungleichen Zugang zu medizinischen Innovationen.
Was bedeutet „Lebenserwartung“ eigentlich?
Die statistische Lebenserwartung wird häufig missverstanden. Die Lebenserwartung bei Geburt bedeutet nicht, dass ein heute geborenes Kind mit Sicherheit genau 78,8 beziehungsweise 83,4 Jahre alt wird.
Die aktuelle Periodensterbetafel beschreibt vielmehr, wie hoch die Lebenserwartung wäre, wenn die zum jeweiligen Berechnungszeitraum beobachteten Sterblichkeitsverhältnisse während des gesamten Lebens unverändert blieben.
Die tatsächliche Lebenserwartung eines Geburtsjahrgangs kann daher höher oder niedriger ausfallen, weil sich medizinische, gesellschaftliche und gesundheitliche Bedingungen in Zukunft verändern.
Forschung blickt zunehmend auf gesunde Lebensjahre
Eine hohe Lebenserwartung allein sagt noch nicht, wie gesund Menschen während dieser Jahre bleiben. Deshalb wird in der Forschung zunehmend zwischen Lebensjahren insgesamt und gesunder beziehungsweise behinderungsfreier Lebenszeit unterschieden.
Die WHO verwendet dafür unter anderem die Kennzahl „Healthy Life Expectancy“ (HALE). Sie berücksichtigt nicht nur das Sterberisiko, sondern auch die gesundheitliche Belastung durch Krankheiten und Behinderungen.
Global stieg die gesunde Lebenserwartung zwischen 2000 und 2019 von 58,1 auf 63,5 Jahre. Der Anstieg war allerdings geringer als der Anstieg der gesamten Lebenserwartung.
Fazit: Längeres Leben verändert das Krankheitsspektrum
Die aktuellen Daten aus Deutschland zeigen 2026 einen langfristig positiven Trend bei der Lebenserwartung. Männer erreichen nach der aktuellen Sterbetafel 78,8 Jahre, Frauen 83,4 Jahre. Auch nach dem 65. Geburtstag besteht statistisch noch eine erhebliche weitere Lebenserwartung.
Gleichzeitig bleiben Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs die dominierenden Todesursachengruppen. 2024 waren sie gemeinsam für 56,5 Prozent aller Todesfälle verantwortlich. Auffällig ist außerdem die steigende Bedeutung von Demenzerkrankungen, die eng mit der Alterung der Bevölkerung zusammenhängt.
Für die Bewertung gesundheitlicher Trends sind absolute Todeszahlen allein deshalb nicht ausreichend. Erst die Kombination aus Lebenserwartung, altersstandardisierten Sterberaten, einzelnen Todesursachen und langfristigen Entwicklungen zeigt, wie sich die gesundheitliche Situation tatsächlich verändert.
Insgesamt verdeutlichen die Daten: Die Menschen leben heute wesentlich länger als frühere Generationen. Die zentrale gesundheitspolitische und medizinische Herausforderung besteht deshalb zunehmend darin, nicht nur zusätzliche Lebensjahre zu gewinnen, sondern möglichst viele dieser Jahre bei guter Gesundheit zu verbringen.
Quellen und weiterführende Informationen
- Statistisches Bundesamt – Entwicklung der Lebenserwartung in Deutschland
- Statistisches Bundesamt – Todesursachen 2024
- Statistisches Bundesamt – Todesursachen nach ICD-10 für 2024
- Statistisches Bundesamt – Krebssterblichkeit 2024
- Robert Koch-Institut – Sterblichkeit und Todesursachen
- WHO – Lebenserwartung und gesunde Lebenserwartung
- Statistisches Bundesamt – aktuelle Sterbefallzahlen 2026